Österreichische Dialekte in Schrift

Grundregeln in 10 Schritten.

§1 Hochdeutsch:

Wir nehmen Hochdeutsch hier als Ansatz, weil wir ja alle Hochdeutsch kennen, und die österreichischen Dialekte dem Deutschen sehr nahe sind.

Beispiel: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

§2 Doppelbuchstaben & Co:

Nun entfernen wir alle Doppelbuchstaben, stummen h-s, und machen die langen ie-s zu gewöhnlichen Is.

Beispiel: Ale Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Si sind mit Vernunft und Gewisen begabt und solen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. Jeder hat Anspruch auf di in diser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten one irgendeinen Unterschid, etwa nach Rase, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

§3 Selbstlaute:

Kurze Laute bleiben, wie sie sind, und lange Selbstlaute bekommen einen Akzent (´). Laute, die bereits zwei Punkte haben (¨) bekommen ein Dacherl (ˆ). Außerdem wird ä zu e,

und Zwielaute werden wie folgt geschrieben: ei wird ae, eu wird oe, und au wird ao.

Beispiel: Ale Menschen sind frae und glaech an Würde und Rechten gebóren. Sí sind mit Vernunft und Gewisen begábt und solen aenander im Gaest der Brûderlichkaet begégnen. Jéder hat Anspruch aof dí in diser Erklerung verkündeten Rechte und Fraehaeten óne irgendaenen Unterschíd, etwa nách Rase, Haotfarbe, Geschlecht, Spráche, Religión, polítischer óder sonstiger Überzoegung, nationáler óder soziáler Herkunft, Vermôgen, Geburt óder sonstigem Stand.

§4 Zischlaute:

Nun werden alle ts zu z, ks zu x, tsch zu č und sch zu š. Dies gilt auch für Buchstaben, hinter dene sich diese Laute verbergen.

Beispiel: Ale Menšen sind frae und glaech an Würde und Rechten gebóren. Sí sind mit Vernunft und Gewisen begábt und solen aenander im Gaest der Brûderlichkaet begégnen. Jéder hat Anšpruch aof dí in diser Erklerung verkündeten Rechte und Fraehaeten óne irgendaenen Unteršíd, etwa nách Rase, Haotfarbe, Gešlecht, Špráche, Religión, polítišer óder sonstiger Überzoegung, nazionáler óder soziáler Herkunft, Vermôgen, Geburt óder sonstigem Štand.

§5 Mitlaute (eins):

Jetzt werden alle ch zu ħ, ng-Laute werden zu ŋ. Und sehr viele (e)r-Laute werden zu a. Ab und zu kann dieses neue a, auch vorangehende a-s zu á-s verlängern.

Beispiel: Ale Menšen sind frae und glaeħ an Wüade und Reħten gebóaen. Sí sind mit Vanunft und Gewisen begábt und solen aenanda im Gaest dea Brûdaliħkaet begégnen. Jéda hat Anšpruħ aof dí in disa Aklearuŋ vakündeten Reħte und Fraehaeten óne iagendaenen Untašíd, etwa náħ Rase, Haotfábe, Gešleħt, Špráħe, Religión, polítiša óda sonstiga Übazoeguŋ, nazionála óda soziála Heakunft, Vamôgen, Gebuat óda sonstigem Štand.

§6 Mitlaute (zwei):

Alle v-s, die wie f-s ausgesprochen werden, werden auch jetzt zu einem f. Und alle i-s, die als j ausgesprochen werden, werden zu j. Außerdem tritt nun die Anlaut- und Auslautverhärtung in Kraft. Da wird b (oder ) zu b oder p, d (oder) wird zu d oder t, und g (oder ġ) wird zu g, ğ oder k.

Beispiel: Ale Menšen sint frae unt ğlaeħ an Wüade unt Reħten gebóaen. Sí sint mit Fanunft unt Ğewisen begápt unt solen aenanda im Gaest tea Brûdaliħkaet pegégnen. Jéda hat Anšpruħ aof tí in disa Aklearuŋ fakündeten Reħte unt Fraehaeten óne iagentaenen Untašít, etwa náħ Rase, Haotfábe, Gešleħt, Špráħe, Religjón, polítiša óda sonstiga Übazoeguŋ, nazjonála óda sozjála Heakunft, Famôgen, Gebuat óda sonstigem Štant.

§7 Die instabilen n-s:

Dies trifft for allem en-Endungen. Da werden eben diese Endungen zu n, m oder ŋ. Außerdem können einige n-s auch zu nasalen Selbstlauten werden. Das heißt ã, , ĩ, õ, oder ũ.

Beispiel: Ale Menšn sint frae unt ğlaeħ an Wüade unt Reħtn gebóan. Sí sint mit Fanunft unt Ğewisn begápt unt soln aenanda im Gaest tea Brûdaliħkaet pegégnen. Jéda hat Anšpruħ aof tí ĩ (oder in) disa Aklearuŋ fakündetn Reħte unt Fraehaetn óne iagŋtaenen Untašít, etwa náħ Rase, Haotfábe, Gešleħt, Špráħe, Religjón, polítiša óda sonstiga Übazoeguŋ, nazjonála óda sozjála Heakunft, Famôgŋ, Gebuat óda sonstigŋ Štant.

§9 Letzte Schliff (Wörter):

Jetzt verlassen wir das Hochdeutsche, und versuchen die Wörter zu verwenden, die wir auch wirklich benutzen würden. Außerdem können wir nun anfangen Wörter zu schreiben, die es sonst nicht ins Hochdeutsche schaffen würden: z.B. Í hülf n dé Kinda. (Ich helfe den Kindern.), oder S Aoto, dcs-wcs ğölp is. (Das Auto, das gelb ist.)

Beispiel:

Cle Menšn san frae unt mit ğlaeħa Menšnwiade unt Menšnreħtn gepcan. Sé sant cle mit Fanũft uŋ Ğwisn aoskštctat, unt soltn mitancnda im Gaest da Priadaliħkaet hcndln. A jéda hct Cnšpruħ aof cl dé Reħte, té-wcs in da Aklearuŋ-dć ğncnt wean, óne iaŋktán Untašít, z.P. wex Rcsn, Fcap, Kšleħt, Šprćħ, Röligjón, polítiša óda sunstiga Iabazaeguŋ, nczjonćla unt sozjćla Heakumft, Famôgŋ, Ğepuat óda cndre Fahöltnise

§8 Letzte Schliff (Laute):

All das ist nach wie vor Hochdeutsch, nur ein bisserl umgangssprachlicher ausgesprochen. Es ist aber noch kein Dialekt. Versuchen Sie nun, es Ihrem Dialekt anzupassen. Verwenden Sie andere Laute? Oder ziehen Sie Wörter zusammen? Dann können Sie das jetzt im ÖDiS schreiben. Hier ein Beispiel mit meiner Kärntner Mundart. Das wird jetzt also eine Art Hochdeutsch mit kärntnerische Aussprache.

Beispiel:

Cle Menšn sint frae uŋ ğlaeħ cn Wüade unt Reħtn gepóan. Sí sint mit Fanumft uŋ Ğwisn pegćpt unt soln ancnda im Gaest tea Prûdaliħkaet pegégnan. Jéda hct Cnšpruħ aof tí ĩ disa Aklearuŋ fakündetn Reħte ũ Fraehaetn óne iaŋntán Untašít, etwc nćħ Rcse, Haotfcap, Kšleħt, Šprćħ, Röligjón, polítiša óda sunstiga Iabazaeguŋ, nazjonćla óda sozjćla Heakumft, Famôŋ, Gepuat óda sunstiŋ Štcnt.

§10 Fertig.

Das war jetzt nur ein Beispiel, in dem wir versucht haben, etwas Hoch-deutsches ins ÖDiS zu bringen. 

Das war jedoch nur ein Ansatz dafür ÖDiS zu lernen, denn ich rate Ihnen kein Hochdeutsch ins ÖDiS zu über-tragen. Denn dafür haben wir ja das phantastische und große Hoch-deutsch. Es geht darum, die echte, gesprochene Muttersprache zu verschriftlichen, denn sobal wir anfangen hochdeutsch zu denken, fallen wir fast automatisch in eine Art Hochdeutsch-Modus, in dem wir versuchen, dieser Standardsprache gerecht zu werden. Das müssen wir vermeiden. Deswegen hier meine kärntnerische Botschaft an Sie:

Póčcft:

Tuan S amfcħ lae só šraem, wí Sí mánan, wál s jć wiakliħ egćl is, ops hiaz riħtiğ óda fclš is. S ğíp ká fclše Šprćħ mea. Í mám, Í hćb jć grćt „Tuan S šraem“ kšrím, unt tcs is wcs, wcs mae Taečleara-rin siħa net laedn kcn. San S štcak unt šraems só wí sí rédn, unt fua clm: Traon S siħ, Ia Muata-sprćħ zan rédn unt zan deŋkn.