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Österreichische Dialekte in Schrift

Über ÖDiS

Österreichische Dialekte in Schrift.

Hierbei handelt es sich um eine Lautschrift, die für alle österreichischen Muttersprachen entwickelt wurde.

Ziel ist es, eben diese Dialektvielfalt vor dem Hochdeutschen zu bewahren. Auf der Seite Dialekte schützen? werden Sie verstehen, warum das in unser aller Interesse ist. Und ich empfehle Ihnen sehr, sich dort mein Interview bezüglich dem ÖDiS anzuhören. 

 

Hier können Sie jedoch herausfinden, was das ÖDiS-Alphabet ist, und wie es zustande kam. Außerdem erfahren Sie ganz unten wer ich, der ich diese Webseite führe, eigentlich bin, und warum gerade ich dieses Alphabet erstellen musste. 

Hier ein paar schnelle Fakten:

  • Das ÖDiS ist eine Lautschrift. Das heißt, so wie wir etwas aussprechen,
    schreiben wir es auch; z.B
    . Vater → Fata.

     

  • Das ÖDiS versucht, den österreichischen Mundarten
    eine schriftliche Heimat zu geben.

     

  • So wie die österreichische Kultur, ist auch das ÖDiS-Alphabet eine bunte
    und gastfreundliche Mischung aus benachbarten Kulturen.

     

  • Das ÖDiS möchte dazu beitragen, unseren einzigartigen Muttersprachen
    ein neues Image zu verpassen. 

     

  • Der Gedanke des ÖDiS' beruht auf den Ideen vom norwegischen 
    Dialekt-Retter Ivar Aasen.

 

Das ÖDiS als Lautschrift.

Eine Lautschrift orientiert sich an der Aussprache, und nicht an Grammatik oder einer anderen Logik. Genauer gesagt vertritt ein Buchstabe genau einen Laut. Deshalb benötigt man auch keine Buchstaben, die stumm sind. Und man braucht keine Regeln zu lernen, die einem das flüssige Lesen erschweren. 

Auf der anderen Seite können verwandte Worte plötzlich fremder aussehen: z.B. Apfel-Äpfel  Cpfl-Epfl.

Eine schriftliche Heimat.

Unsere österreichischen Mundarten sind einzigartig, und fast gleich weit vom Standard-Deutschen entfernt, wie etwa das Niederländische. Dennoch haben wir noch immer keine gültige Art und Weise gefunden, diese niederzuschreiben. Und das ist wirklich nur sehr traurig, denn unsere Sprachen existieren bereits seit dem Mittelalter; sprich fast 950 Jahren. Das müssen wir doch ändern bevor unsere Dialekte ganz aussterben. Und das tun sie bereits. Nur merken wir es nicht, denn Dialekte verschwinden nicht einfach über Nacht. Wir wachen ja nicht plötzlich auf, und haben keine Sprache mehr. Nein, sie gleichen sich immer mehr anderen Sprachen an; in unserem Falle: Hochdeutsch. Wir merken das leider nur sehr spät, denn eine Übergangsform vom Dialekt zum Hochdeutschen, ist ein Hochdeutsch mit dialektaler Aussprache. Es bleibt also nur noch eine Fassade vom ursprünglichen Dialekt, doch die Kultur und die Wörter von diesem Dialekt sind dann schon lange tot. 

Eine Mischung verschiedener Kulturen.

Denken wir doch einmal kurz an die österreichische Geschichte. Nach der gescheiterten Märzrevolution im 19. Jahrhundert, begann man i der großen Donaumonarchie damit, neue Waren und Dienstleistungen zu schaffen. Dies führte zu vielen neuen Wörtern für diese neuen Waren. Und eben diese Wörter kamen sehr oft von den vielen Sprachen des Kaiserreichs; z.B. Deutsch, Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, oder Slowenisch. Deswegen gibt es heute auch so viele Produktnamen, die dem Hochdeutschen überhaupt nicht ähneln. Dies betrifft vor allem Lebensmittel: der Paradeiser, die Golatsche, die Fisolen... Diese sprachliche Vielfalt, die wir durch diesen Vielvölkerstaat genossen haben, wird auch im ÖDiS widergespiegelt. Denn Buchstaben aus den Alphabeten dieser Sprachen haben nun Einlass in eine österreichische Schriftsprache gefunden.

Ein besseres Image.

Ich sag' es ganz salopp: die österreichischen Dialekte haben es alles andere als leicht. Zwar gibt es zum Glück noch immer einige Künstler und Politiker, die an ihrem Dialekt festhalten, doch ein echtes Gefühl für unsere Muttersprachen haben wir nicht. Es ist sogar um einiges schlimmer: Wissen sie wo man im Allgemeinen Dialekt-Wörterbücher in Österreich bekommen kann? In der Humor-Abteilung im Buchhandel. Das ist erniedrigend. Meine Muttersprache ist kein Witz. Und Ihre sollte es genau so wenig sein. Sie ist das intimste, was wir besitzen, dann all unsere Gedanken werden durch sie gedacht. Und all unsere Gefühl werden durch sie geweckt. Auch deshalb brauchen wir ÖDiS: Wir müssen uns rein symbolisch vom Bild der „lustign Mundoatn“ trennen, und eine neue Identität schaffen. Und noch wichtiger, wir müssen die Quelle bekämpfen, die unsere Muttersprachen derart demütigt: der fehlende Gebrauch. Und da müssen wir uns selbst am Schopf packen: sobald wir etwas Ernsthaftes oder Tiefgründiges in Österreich schreiben, schreiben wir es im Hochdeutschen. Das gleiche erkennen Sie auch an dieser Webseite, die ich ja für Sie noch immer auf Hochdeutsch halten muss. Wir müssen unseren Muttersprachen die Chance geben, verwendet zu werden. In der Kunst, in der Wissenschaft, in der Schule, im Fernsehen usw. Erst dann können wir damit rechnen, dass unsere Sprachen den Status zurückerlangen, der ihnen gebührt. Und da sind wir aufeinander angewiesen.

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Die Ideen von Ivar Aasen.

Der norwegische Sprachforscher Ivar Aasen (*1813 †1896, siehe Abbildung) wollte die norwegischen Dialekte vor dem Dänischen retten. Deshalb reiste er durch ganz Norwegen — von Fjord zu Fjord, und von Dialekt zu Dialekt — und schrieb eben diese Dialekte nieder. Aus seiner Dialektsammlung schuf er dann eine neue, norwegische Schriftsprache, die ein Mischmasch aus all den norwegischen Dialekten ist. Diese Schriftsprache, Neunorwegisch genannt, schreibt man noch heute neben Buchnorwegisch, das von der dänischen Sprache stammt. Neunorwegisch trägt stark dazu bei, die Dialekte zu ehren, und sie zu sprechen. Noch dazu gibt es im Norwegischen keine einheitliche Aussprache. Das fürt dazu, dass jeder und jede, von der kleinsten Fischerin bis zum König, seinen oder ihren Dialekt spricht. Im

Privaten, im Fernsehen, im Parlament, überall. Und genau das wünsche ich mir in Österreich. Dass jeder Mensch so reden kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Man soll auch als Präsident noch den urigsten Vorarlberger Dialekt reden dürfen, ohne dass man einen für primitiv oder ungebildet hält. Unsere Muttersprache zeigt uns, wer wir sind, und sie ist genau das, was   w i r   aus ihr machen.

Wer bin ich?

Ich möchte mich hier weitestgehend im Hintergrund halten, weil es wirklich nicht um mich geht, sondern um Ihre Muttersprache. Dennoch, finde ich, ist es nur richtig von mir, mich auch bei Ihnen vorzustellen. 

Mein Name ist Leonhard Paul Haberl, und ich komme ursprünglich aus Kärnten. Heute bin ich jedoch ein in Norwegen lebender Auslandsösterreicher, weil ich mich während meines Zivildienstes einfach in die norwegische Sprache und Kultur verliebt habe. Aber ich habe Kärnten nie vergessen. Ich versuche auch so oft wie möglich in Österreich zu sein, gerade weil mir dieses Land sehr am Herzen liegt. Als ich in Oslo Deutsch als Fremdsprache, Französisch, Geschichte und Musikwissenschaften studierte, bemerkte ich nicht nur wie anders unsere österreichischen Muttersprachen vom Standarddeutschen eigentlich sind, sondern auch wie schlecht es ihnen gerade geht. Und gerade hier in Norwegen ist man tagtäglich mit Dialekten konfrontiert. Von Norwegen können wir da doch 'was lernen, dachte ich. Und eben deshalb, wegen meines Zugangs zu norwegischen Wissen, musste ich einfach dieses Alphabet entwickeln, und damit anfangen zumindest meine Muttersprache zu retten. Das konnte ich Österreich nicht vorenthalten.

Retten Sie doch auch Ihre Muttersprache, und hören Sie sich gern mein Interview auf der Seite Dialekt schreiben? an. Ich denke oft, wenn nicht ich meine Muttersprache schütze, na wer denn sonst?