Österreichische Dialekte in Schrift

Zeichenliste

Hier finden Sie alle gültigen Buchstaben des ÖDiS-Alphabets.

Sowie Tipps zur Aussprache, phonetische Zeichen, und Hörbeispiele.

Aa  Kurzes a, wie in alle, Katze oder Leber. IPA:[a]

Áá  Langes a, wie in Aal, Wahl oder geschah. IPA:[aː]

Ãã  Nasales ã, wie in Nuance, Pendant oder Restaurant. IPA:[ɑ̃]

Bb  Weiches b, wie in Butter, aber oder Ebbe. IPA:[b]

Ḅḅ  Ein pädagogischer Buchstabe, der in lebender Sprache nicht vorkommt.

Cc  Kurzes å/o, wie in Kärntnerisch ålle, Såttel oder Otto. IPA:[ɔ]

Ćć  Langes å, wie in kärntnerisch åber, Klågenfurt oder Wåsa. IPA:[ɔː]

Čč  Hartes tsch, wie in Tschechien, Watsche oder Quatsch. IPA:[tʃʷ]

Ç̌ç̌  Weiches dsch, wie in norddeutsch Dschungel oder Dschibuti. IPA:[dʒʷ]

Çç  Ch, wie in mitteldeutsch Chemie, Sichel oder ichIPA:[ç]

Dd  Weiches d, wie in Dackel, Ladung oder Hedda. IPA:[d]

Ḍḍ  Ein pädagogischer Buchstabe, der in lebender Sprache nicht vorkommt.

Ee  Kurzes e, wie in Ente, Kämpfe oder Straße. IPA:[ɛ]

Éé  Langes e, wie in Ehe, Bären oder Schnee. IPA:[eː]

Ẽẽ  Nasales e, wie in Teint. IPA:[ɛ̃]

Êê  Langes ä, wie in norddeutsch Däne, Bären oder Läden. IPA:[ɛː]

Ff → Hartes f, wie in Falle, Affe oder Muff. IPA:[f]

Gg  Weiches g, wie in gut, egal oder Wiege. IPA:[g]

Ġġ  Ein pädagogischer Buchstabe, der in lebender Sprache nicht vorkommt.

Ğğ  Weiches k, wie in kärntnerisch guat, Ragga oder weg. IPA:[g̊]

Hh  H, wie in Hallo, behüten oder kärntnerisch Pihl. IPA:[h]

Ħħ  Ch, wie in ich, ach, sicher, Sache oder Chemie. IPA:[ç]/[x]

Ii  Kurzes i, wie in Insel, Sitte oder Susi. IPA:[ɪ]

Íí  Langes i, wie in Igel, Liebe oder sie. IPA:[iː]

Ĩĩ  Nasales i, wie in portugiesisch fim. IPA:[ɪ̃]

Jj  J, wie in ja, Mädchen oder Ordination. IPA:[j]

Kk  Hartes k, wie in Katze, Acker oder Lack. IPA:[k]

Ll  L, wie in Liebe, alle oder Gefühl. IPA:[l]

Mm → M, wie in Maus, Sommer, stramm, lieben oder Lippen IPA:[m]

Nn  N, wie in Nacht, anders, Bann, Laden oder retten. IPA:[n]

Ŋŋ  Ng, wie in singen, Gesang, liegen oder Schrank. IPA:[ŋ]

Oo  Kurzes o, wie in Otto, Flotte oder Stopp. IPA:[ɔ]

Óó  Langes o, wie in Ostern, Verlosung oder Niveau. IPA:[oː]

Õõ  Nasales o, wie in französisch Bonbon oder Salon. IPA:[õ]

Öö  Kurzes ö, wie in öffnen, Hölle oder Geröll. IPA:[œ]

Ôô  Langes ö, wie in Öfen, Höhle oder Apnoe. IPA:[øː]

Ỗỗ  Nasales ö, wie in französisch Parfum. IPA:[œ̃]

Pp  Hartes p, wie in Papa, stoppen oder Laub. IPA:[p]

Rr  Zäpfchen- oder Zungenspitzen-R, wie in Brot oder Trauer. IPA:[ʁ]/[r]

Ss  Scharfes s, wie in reißen, Sessel oder Festung. IPA:[s]

ẞß  Historischer Buchstabe mit gleicher Aussprache wie Ss. IPA:[s]

Şş  Stimmhaftes s, wie in norddeutsch Reise, Insel oder Sonne. IPA:[z]

Šš  Hartes sch , wie in Schule, Asche oder lasch. IPA:[ʃʷ]

Ş̌ş̌  Weiches sch, wie in norddeutsch Journal oder Garage. IPA:[ʒʷ]

Tt  Hartes t, wie in Teil, beten oder und. IPA:[t]

Uu  Kurzes u, wie in unser, Butter oder Punsch. IPA:[ʊ]

Úú  Langes u, wie in Uhr, Lupe oder Ruh'. IPA:[uː]

Ũũ  Nasales u, wie in portugiesisch um. IPA:[ʊ̃]

Üü  Kurzes ü, wie in Hüfte, Hütte oder Gebrüll. IPA:[ʏ]

Ûû  Langes ü, wie in über, Bühne oder Gefühl. IPA:[yː]

Vv  Wie englisch welcome, wantread oder more. IPA:[w]/[ɹ]

Ww  Weiches w, wie in Willkommen, ewig oder Vase. IPA:[v]

Xx  Hartes x, wie in Export, Echse oder Wachs. IPA:[ks]

X̧x̧  Weiches x, wie in französisch exemple. IPA:[gz]

Zz  Hartes z, wie in zu, Katze oder Fratz. IPA:[ts]

Z̧z̧  Weiches z, wie in italienisch zero. IPA:[dz]

Kommentare

 

Ḅḅ, Ḍḍ & Ġġ. Diese Buchstaben verwendet man nur um Wörter isoliert zu schreiben. Ein gutes Beispiel wäre das Wort „Wald“. Es wäre falsch, es mit einem d zu schreiben, weil man dieses d als t ausspricht (also: Walt). Mit einem t ist aber ebenso falsch, weil dieses Wort in der Mehrzahl mit einem d ausgesprochen wird. Man sagt ja schließlich Walt - Wälder, und nicht Walt - Wälter. Mit den Buchstaben Ḅḅ, Ḍḍ und Ġġ gewährleistet man, dass das Wort in unterschiedlichen Formen und Satzstellungen diesen Laut verändern kann. Dieses Phänomen nennt man übrigens Auslautverhärtung, und im österreichischen Deutsch gibt es sogar auch eine Art Anlautverhärtung (z.B Butter = Putter). So können also diese Buchstaben ausgesprochen werde: 

  • Ḅḅ kann zu Bb, Pp oder sogar Ww werden.

  • Ḍḍ kann zu Dd oder Tt werden. 

  • Ġġ kann zu Gg, Ğğ oder Kk werden.

Cc & Oo. Diese beiden kurzen o-Laute, werden genau gleich ausgesprochen. Doch warum schreibt man sie dann verschieden? Der Grund liegt in der Grammatik. Das Cc wird bei Wörtern verwendet, die im Hochdeutschen mit einem Aa geschrieben werden (z.B. das = dcs). Dies zeigt dem Leser leichter um welches Wort es sich handelt, und man am Buchstaben auch feststellen, wie eventuelle Mehrzahlformen aussehen: z.B. Cpfl - Epfl und Toħta - Töħta.

Çç & Ħħ. Es gibt in den meisten Dialekten zwei ch-Laute: den ich-Laut und den ach-Laut. Normalerweise bestimmen die Laute davor, zu welchen Laut das ch wird. Nach den e-, i-, ö- und ü-Lauten (vorne im Mundraum) wird das ch zu einem ich-Laut. Nach a-, å-, o- und u-Lauten (hinten im Mundraum) wird das ch zu einem ach-Laut. Wenn das in Ihrem Dialekt auch zutrifft, dann können Sie sowohl die ich- als auch ach-Laute lediglich mit einem Ħħ schreiben. Falls es in Ihrem Dialekt jedoch vorkommt, dass diese Regel nicht immer befolgt wird, sollten Sie den ich-Laut mit einem Çç schreiben, und den ach-Laut mit einem Ħħ

Ss & ẞß. Ich habe mich dafür entschieden, das scharfe ß im ÖDiS zu bewahren, weil er sehr gut die nahe Verwandschaft zum Hochdeutschen zeigt. Dieser historische Buchstabe sollte auch nur bei Wörtern verwendet werden, die auch im Hochdeutschen mit einem ß geschrieben werden oder noch kürzlich geschrieben worden sind: z.B. groß - ġróß, schließlich - šlíßliħ, Kuß - Kuß, daß - dcß... Natürlich können Sie auf diesen Buchstaben verzichten, und ihn mit einem gewöhnlichen Ss ersetzen: groß - ġrós, schließlich - šlísliħ, Kuß - Kus, daß - dcs... Jedoch darf man ihn unter keinen Umständen mit einem Doppel-s ersetzen, da dieser ja für zwei s-Laute stehen würde. Da nur sehr wenige Schriftarten das große ẞ unterstützen, kann man bei Großschreibung gerne auf das gewöhnliche S ausweichen: GROSS = ĠRÓS oder ĠRÓS

Rr. Im österreichischen Sprach ist es durchaus noch üblich, das Rr entweder hinten im Mund auszusprechen (Zäpfchen-R), oder vorne an den Zähnen (Zungenspitzen-R). Das Zungenspitzen-R wird jedoch immer seltener. Im ÖDiS brauchen Sie darauf keine Rücksicht zu nehmen, da SprecherInnen für gewöhnlich entweder das eine oder das andere Rr konsequent verwenden.

Vv. Dieser Laut kommt fast nur in englischen Lehnwörtern vor. Wenn das ursprüngliche Lehnwort mit einem w oder v geschrieben wird, wird auch das ÖDiS-Vv wie ein w in welcome ausgesprochen. Falls das ursprüngliche, englische Wort jedoch mit einem r geschrieben wird, wird auch das ÖDiS-Vv wie ein r in very ausgesprochen.  

Ll. Die L-Laute im österreichischen sind besonders farbenfroh: z.B. All, Geröll, Müll. In einigen Dialekten wird das L sogar zu einem i. Diese Klangfarben haben jedoch auf das ÖDiS keine Auswirkung, da sie von den Lauten davor abhängig sind und von diesen gefärbt werden. 

Ãã, Ẽẽ, Ĩĩ, Õõ, Ỗỗ & Ũũ. Diese Lauten stehen für Laute, die durch die Nase ausgesprochen werden. Man sollte sie unbedingt in zwei Gruppen unterteilen:

Die erste Gruppe besteht aus Wörtern, die aus dem Französischen kommen, und vollwertige, nasale Laute enthalten (z.B. Restaurant - Restorã, Teint - T, Parfum - Páf...).

Die zweite Gruppe hingegen würde ich Halbnasale nennen. In vor allem schnell gesprochener Sprache, ersetzen sie die Laut n, m und ŋ, wobei sie diese dennoch ein bisschen andeuten. Deshalb würde ich im IPA auch ein kleines [ⁿ] anhängen (z.B. in Klagenfurt - ĩ Klćgŋfuat, schon heute - šõ hoet, zum Machen - zũ Mcħn...)   

Na? Fehlt ein Laut?

Vielleicht haben Sie in Ihrer Mundart ja einen Laut entdeckt,

der noch nicht im ÖDiS vertreten ist. 

Schreiben Sie mir gerne! Ich bin sehr gerne bereit dazu,

diese Dialektschrift zu erweitern, um allen österreichischen Mundarten

eine schriftliche Heimat zu geben.

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